Tafelwein (2)

Frau Anneliese hat sich mal wieder auf dem Küchentisch verewigt. Wobei, verewigt stimmt natürlich nicht so ganz; denn leider hat ein solches mit Wein kreiertes Küchentischgemälde nur eine Halbwertszeit von drei Mal Tisch abwischen (bei uns wird sehr behutsam gewischt). Dafür beabsichtige ich ihr hiermit erneut einen Platz in den Annalen des WWW einzuräumen und möchte ihr Schaffen an dieser Stelle unbedingt mit dem Prädikat ‘brillant’ verknüpft wissen. Wie sich das für eine echte Künstlerin gehört, überlässt sie die Interpretation ihres Werks wieder gänzlich dem Betrachter. Ich beschränke mich an dieser Stelle auf die Namensgebung und nenne das Opus ‘Burning Hand – Let’s panic on the dancefloor’.



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Mindestlohn per Gerichtsurteil

Ich frage mich, wozu man über politisch verordnete Mindestlöhne streitet, wenn die nötige Gesetzesgrundlage längst geschaffen ist? Eine Angestellte des Textildiscounters KiK hat sich jedenfalls einen halbwegs akzeptablen Lohn erklagt:

Das Arbeitsgericht Dortmund findet 5,20 Euro Stundenlohn sittenwidrig – und verdonnert KiK dazu, den Verdienst einer Verkäuferin um 58 Prozent anzuheben. [...] Angemessen seien mindestens 8,21 Euro, so das Gericht. (SpOn)

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Heckspoiler

Dass tiefergelegte Prollkarren ziemlich lächerlich aussehen stört mich für gewöhnlich eher wenig. Schließlich sehen die Fahrer meistens genauso lächerlich aus und hören noch viel lächerlichere Musik. Insofern ist im Mikrokosmos ‘Prollkarre’ soweit alles im harmonischen Einklang. Problematisch wird es nur manchmal. So z.B. heute auf der Autobahn, auf der sich kurz vor mir eines jener besagten Vehikel durch die Reihen schob. Ein alter BMW, der so lila war wie Kacke braun ist. Leider hat Monsieur Tuningexperte vergessen, seinen Heckspoiler richtig festzukleben, weswegen dieser abfiel und mitten auf der Überholspur lag – auf der ich gerade mit kurz-vor-Überschall-Geschwindigkeit unterwegs war. Nur um Haaresbreite habe ich diesen Haufen Plastikschrott umkurvt. Deshalb, liebe MöchtegernHamiltons, schraubt eure Karren wenigstens so zusammen, dass sie nicht nur “total cool” aussehen, sondern sich auch nicht auf der Autobahn in ihre Bestandteile zerlegen. Und wo wir gerade dabei sind: Kauft euch halt einfach mal ne anständige Platte, wenn ihr schon mit runtergelassenen Fenstern und 5.000 ausgereizten Watt an den Eisdielen der Republik vorbeischaukelt. Und… ach, is ja auch wurscht.

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“26 is dancier than 4″

…heißt ein Lied von “This town needs guns” (Oxford/UK), das sich seit einigen Monaten wacker in meinen persönlichen Rock ‘n Roll-Charts schlägt. Seit kurzem gibts zu besagter Melodei ein Video, das ebenso low budget und naiv wie hübsch und kreativ ist:

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“Leading To War” – Ein Film über die propagandistische Vorbereitung des Zweiten Irak-Kriegs

irak krieg dokuLeading to war” ist zunächst einmal die beste Dokumentation, die mir seit langem untergekommen ist. Der Film hat den Anspruch zu zeigen, wie die US-Regierung es geschafft bzw. versucht hat, ihre Bürger und die Welt davon zu überzeugen, dass der Zweite Irak-Krieg eine unbedingte Notwendigkeit ist. Dabei ist es in Zeiten überemotionalisierter Inszenierungen politischer Inhalte umso erfreulicher zu sehen, wie die vier amerikanischen Filmemacher gearbeitet haben: Kein Moderator, keine Off-Stimme, keine schnellen Schnitte, keine nachgestellten Szenen und (fast) keine dramatische Musik. Regisseur Hershey & Co. haben auf eine aufwendige Hintergrundberichterstattung (die oft mehr suggestiv als informativ ist) völlig verzichtet. Stattdessen setzt man auf primäre TV-Quellen.

Nach einer kurzen schriftlichen (!) Einführung beschränken sich die Macher auf die schlichte Aneinanderreihung von Fernsehauftritten der US-politischen Führungsriege (hauptsächlich Bush, Rumsfeld, Powell und Rice). Los geht es mit einem Ausschnitt aus der Rede des US-Präsidenten zur Lage der Nation vom Januar 2002 (Axis of evil-Rede). Chronologisch hangelt sich der Film an Pressekonferenzen, Interviews und Redebeiträgen der höchsten Regierungsbeamten entlang, bis schließlich der Präsident die Mobilmachung verkündet (März 2003).

Es ist erstaunlich und erschreckend im zeitgerafften Rückblick zu sehen wie systematisch Stimmung gegen den Irak gemacht wurde. Nachdem der Terrorismus erst rhetorisch verstaatlicht wurde knüpfte man die Verbindung zu Massenvernichtungswaffen und schürte die kollektive Angst vor totaler Vernichtung. Unter der mantrahaften Wiederholung und scheinbar faktischen Untermauerung der “greifbaren Gefahr” wurde schließlich Saddam Hussein als Teufel an die Wand gemalt, wie er kurz davor ist auf den roten Knopf zu drücken.

“Leading to war” dokumentiert vorbildlich die Mechanismen der medial gesteuerten politischen Stimmungsmache, die dazu führte, dass sich ein demokratisches Land mehrheitlich für eine völkerrechtswidrige militärische Intervention entschied, deren offizieller Hauptgrund eine einzige Lüge war. Anders gesagt: Der Film zeigt, wie Propaganda heute und unter demokratischen Vorzeichen funktioniert. Er zeigt nicht den Missbrauch, sondern die Schwächen der Demokratie. “Leading to war” ist ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste filmische Beitrag zur Aufarbeitung des Irak-Kriegs.

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“Leading to war”, 72 Minuten, Untertitel in 19 Sprachen, verfügbar als Stream (Flash) und Download (Quicktime, 440 MB)

[via]

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Schlafbedarf

Ich bin mir nicht sicher, ob schon mal jemand schöner zum Ausdruck gebracht hat, dass er einfach nur bettreif ist :-) :

Müdigkeit dornröschenesquer Ausmasse droht mich in ihren Schlund zu saugen. Noch traumtänzele ich von Coffein träumend am Abgrund entlang.
[Sascha Lobo on twitter]

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Birdshit happens

Kommt ein Vöglein geflogen, setzt sich nieder auf mein’ Tisch, kackt ‘nen riesigen Haufen, wenn ich den mal erwisch!

Das muss mindestens ein Albatros oder Steinadler gewesen sein, der mir da auf meinen Balkon-Tisch gemacht hat, denn der Streifen ist beachtliche 10 cm lang gewesen. Ich rätsele noch immer, ob es etwas zu bedeuten hat, dass die Hinterlassenschaft die Form von Sardinien hat…



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Heiliger Rasen?

“Bitte Rasenfläche nicht betreten”??? Äh, warum jetzt? Soll auf diesem Stück Rasen vor dem Gießener Finanzamt (!) vielleicht das nächste Wimbledon ausgetragen werden? Ist unter dem Rasen eine geheime Raketenabschussbasis versteckt? Oder leidet der Gärtner einfach an einer Profilneurose?
Ach was, mit dem Rasen hat das Schild doch wenig zu tun. Der Absender will uns etwas ganz anderes mitteilen als auf den Schutzwert des Grüns hinzuweisen. Zwischen den Zeilen steht da nämlich: Das Gras ist uns ziemlich banane, aber man muss den Leuten anzeigen, dass hier nicht jeder machen kann was er will. Follow the rules or follow the security guards. Laissez faire ist für Kommunisten und andere Tagediebe.
Da gibts nur eins: Die Che Guevaraisierung der Rasenflächen!

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Freie Samples

Großartig! Auf der Seite des Free Sound Project gibt es Samples bis zum Abwinken! Von der Klospülung über exotische Drum-Loops, Fender Rhodes und Nylon-Gitarren bis zu Klicksounds für Webbuttons und dem Geräusch eines herunterklappenden Seitenständers eines Cross-Motorrads. Alles ist natürlich frei erhältlich und steht unter einer Creative Commons-Lizenz.

[via]

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Björk – Wanderlust

wanderlust

Nicht mehr ganz so taufrisch, deswegen aber nicht weniger berichtenswert, ist die Nachricht, dass Björk ein neues Video gedreht hat: “Wanderlust”, produziert von Encyclopedia Pictura. Björk ist ja bekannt für ihre immer wieder großartigen Videos (man denke nur an “All is full of love”!), die ich als ebenso große Kunst schätze wie ihre einzigartige Musik. Das gilt auch und vor allem für Wanderlust, das mit einem enormen Produktionsaufwand (In 9 Monaten wurden 100.000 $ ausgegeben und laut NYT-Interview diverse Magic Mushrooms verspeist)  in einer 2D- und 3D-Version gedreht wurde. Das komplette Video lässt sich in guter 2D-Qualität (Quicktime) hier bewundern. Ein kurzes Making of könnt ihr euch hier anschauen. Für die 3D-Optik braucht es natürlich die entsprechende Brille und offensichtlich auch irgendein mir leider unbekanntes Plugin.

[via]

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Schutzmaßnahmen gegen die Abmahnwelle

Herr Haeusler weist die Bloggerzunft auf eine Serie von Medienlese hin, wo Wolf-Diether Roth in inzwischen 3 Beiträgen erklärt, was man als Blogger laut gültiger deutscher Rechtslage tun und lassen sollte, um das Risiko, von der Abmahnwelle überschwemmt zu werden, möglichst klein zu halten. Äußerst lesenswert für jeden, der ein Weblog sein Eigen nennt. Klick, klick und klick.

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Fair, respektvoll, generös: Bei Lidl ist eigentlich alles ganz anders

lidlLidl hat in den letzten Wochen ordentlich einstecken müssen. Völlig zu Unrecht findet das “Lidl-Service-Team” und tritt in den Welt-Dialog, denn: In Wirklichkeit ist alles ganz anders.
Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass bei Lidl braungebrannte Surfer-Boys zusammen mit gut gebauten Blondinen arbeiten, die wahrscheinlich, bevor sie ihre Discounterkarriere gestartet haben, von Heidi Klum aus der Vorrunde der next Topmodels gekickt wurden. Und Leute, die Kassierer bei Lidl gucken nur in die Einkaufswagen, weil hin und wieder “Kunden versehentlich Artikel im Einkaufswagen vergessen”. Die Waren bei Lidl sind außerdem immer erstklassig, denn: “Unsere Produkte werden streng kontrolliert, indem die komplette Produktionskette vom Feld bis in die Ladentheke regelmäßig durch externe Institute überprüft wird.” Fragt nur mal den Günter Wallraff, der weiß wie das läuft mit der Produktkontrolle, vor allem bei den Aufbackbrötchen.

Ganz besonders aber, werte Leserschaft, liegen Lidl die Mitarbeiter am Herzen. Denen geht es so gut, die wollen gar keine Betriebsräte gründen und sich gewerkschaftlich organisieren. Daher stellt das “Lidl-Service-Team” klar:

“Wir übernehmen Verantwortung für unsere Mitarbeiter, indem wir Sie in Ihren Talenten [Hochgeschwindigkeitsabkassieren] und Fähigkeiten [Harndrang unterdrücken, um keine Zeit auf dem Klo zu vergeuden] fördern, einen sicheren Arbeitsplatz anbieten [bis man doch auf die Idee kommt, einen Betriebsrat zu gründen] und darüber hinaus übertariflich bezahlen [Lidl-Angestellte klagen: Wir können die Kohle kaum so schnell ausgeben wie wir sie reinholen!]. Der faire und respektvolle Umgang [Kameras auf dem Klo wird es bei Lidl erstmal nicht geben!] ist nur ein Punkt unter vielen in unseren ‘gelebten’ Grundsätzen zur Führung von Mitarbeitern. [...] das was Lidl ausmacht, sind die Menschen.”

What a wonderful world…

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MUTO – Ein auf öffentliche Wände gepinselter Animationsfilm von BLU

Ich bitte um stehende Ovationen für dieses animierte Kunstwerk:

[via]

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Farbfotos aus dem Ersten Weltkrieg

ww1

Beeindruckende Farbfotos aus dem Ersten Weltkrieg gibt es hier, hier und hier. Dass der Krieg ein unglaublich blutiges Gemetzel war wird auf den Bildern kaum deutlich. Trotz einiger zerbombter Häuser hat man den Eindruck, dass der Krieg vor allem das war, was man zu Beginn erwartete: Ein munteres Sportschießen mit viel Hurra, das in wenigen Monaten beendet sein wird. Die Harmlosigkeit ist wohl eher technisch als politisch zu begründen, denn zum damaligen Zeitpunkt waren mehrere Sekunden Belichtungszeit erforderlich. Bewegungen ließen also kaum einfangen, weshalb die Fotos wahrscheinlich an eher ruhigen Frontabschnitten, bzw. in ruhigen Momenten gestellt wurden.

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Shocking Pinks

Die “Shocking Pinks” gehören zu meinen neuesten Entdeckungen bei last.fm. Die gleichnamig Platte der von Nick Harte angeführten Band aus Auckland (Neuseeland) hört sich an wie eine Hommage an die oft kopierten und auch in diesem Fall nicht erreichten “Broken Social Scene”: Alles schön Low-Fi, jazzig-melodischer Besen-Bass, dreckiges leicht “verschnupftes” Schlagzeug (garantiert untight eingespielt), schön sonniges Akustikgitarren-Gezupfe, 80er Jahre Synthie-Streicher und ein Gesang der sich anhört, als ob er am neuseeländischen Strand nach dem Genuss von Mate-Tee und Marihuana aufgenommen wurde. Alles in allem: Applauswürdiger Indie-Pop.
(Hier noch der obligatorische MySpace-Link: Klick!)

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