Karin Wolff tritt zurück – Gut so.

Hessens Kultusministerin Karin Wolff hat heute ihren Rücktritt angekündigt (HR). Endlich, könnte man sagen. Denn das was die Ministerin “Reformen” nennt war eine Serien von Pannen und Peinlichkeiten.

Da wäre zu einem das Stichwort G8 zu nennen. G8 hat dabei ausnahmsweise nichts mit dem internationalen Besserverdienerclub zu tun, sondern meint die Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre. Nach der Grundschule erwarten jeden Schüler also 8 statt 9 Jahre Schule bis zum Abitur. Dabei kürzt man aber nicht die ohnehin überflüssige Klasse 11 weg, sondern staucht die Sekundarstufe I (Klasse 5 – 10) zusammen. Das führt dazu, dass die Kinder schon ab der 5. und 6. Klasse einem enormen Lerndruck ausgesetzt sind und viel weniger Freizeit haben. Das schafft Frustration und führt dazu, dass wichtige Inhalte und Kompetenzen zu oberflächlich behandelt werden. Ganz abgesehen davon sind die Schulen oft nicht vorbereitet bzw. angemessen ausgestattet, um der neuen Situation gerecht zu werden. (GEW)

Ein weiteres Stichwort ist die so genannte Unterrichtsgarantie Plus. Das hört sich super an und führt auch dazu, dass es praktisch kaum Unterrichtsausfälle gibt. Dazu hat man aber nicht mehr Lehrer eingestellt, sondern bezahlt den Schulen ungelernte Aushilfen, die nicht nur oft inkompetent sind, sondern weder die Schüler kennen (und umgekehrt), noch das Unterrichtsthema. Jede gelangweilte Hausfrau kann sich für U+ einstellen lassen. Wenn Roland Koch und Karin Wolff davon sprechen, dass es kaum Unterrichtsausfälle mehr gibt, dann ist das insofern richtig, als dass Freistunden tatsächlich so gut wie abgeschafft sind, der Vertretungsunterricht aber seinem Namen kaum gerecht wird. Hier werden bestenfalls Hausaufgaben gemacht oder das nach wie vor beliebte Galgenmännchen gespielt. Nicht selten enden solche Stunden im Chaos. (GEW)

Den Vogel abgeschossen hat Frau Wolff aber mit ihrer Forderung, die Schöpfungsgeschichte im Biologieunterricht zu thematisieren und diese der Evolutionstheorie gegenüberzustellen (SpOn). Wolff sieht darin die Chance, “eine neue Gemeinsamkeit von Naturwissenschaften und Religion” zu schaffen. Dass das eine mit dem anderen zunächst einmal überhaupt nichts zu tun hat, dessen sollte sich eine Landesministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin schon bewusst sein. Die Schöpfungsgeschichte gehört in den Religionsunterricht und taugt nun mal nicht zur Erklärung der Entstehung der Welt im wissenschaftlichen Sinne.

Wolffs Rücktritt ist daher absolut zu begrüßen. Bleibt zu hoffen, dass die “Reformen” sobald wie möglich reformiert werden und die Landesregierung (wie auch immer sich diese zusammensetzen wird) in Bildungsfragen zukünftig mehr als Kosmetik betreibt.

Kategorie: politisch | Keine Kommentare

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