Ostdeutsche Sehschwäche: Rechtsextremismus in Magdeburg
Es ist nur eine Geschichte von vielen, eine der Geschichten, die es meistens nicht in die Zeitungen schaffen. Weder auf Seite eins, noch auf Seite elf. Während rechte Gewalt in so verschlafenen Nestern wie Gießen (zum Glück!) keine Rolle spielt, kann man sich nachts in einigen Vierteln so mancher ostdeutscher Städte kaum auf die Straße trauen; besonders wenn einem äußerlich anzusehen ist, dass man nicht deutscher Herkunft ist, eine eher “linke” Einstellung pflegt oder keinen festen Wohnsitz hat. Auch Frank Böttcher fiel in dieses “Beuteschema”. Er war ein Punk und wurde als solcher im Februar 1997 von einem rechten Skinhead erstochen:
“Montag dieser Woche, die demokratische Öffentlichkeit von Magdeburg hat sich am Tatort versammelt, um eine Gedenktafel für Frank Böttcher einzuweihen. Sie tut das schon zum vierten Mal. Dreimal wurde die Tafel entwendet. Keine geringe Leistung: Knallfest ist das bronzene Relief in einem mächtigen Findling verankert. Zur Beseitigung braucht man gutes Werkzeug, Kraft, Zeit und viele sehschwache Magdeburger, denn sogar nachts fährt hier die Straßenbahn. Eine der geklauten Tafeln stöberte die Polizei in der rechten Szene auf, die anderen blieben verschwunden. Auch Frank Böttchers Grabstein wurde immer wieder geschändet, bis seine Mutter ein Gegenmittel fand: Ihr Junge liegt nun in einem Grab ohne Stein.” (ZEIT online)
Es gibt viele Magdeburgs in Deutschland und viele “Sehschwache”, die lieber schnell weitergehen. Das ist in den meisten Fällen sicher verständlich, denn wer legt sich schon gern mit einer Truppe knüppelschwingender Neonazis an. Wer schnell weitergeht ist nicht unbedingt auf dem rechten Auge blind, sondern hat einfach Angst. Wenn dadurch statt Aktionsdrang eine generelle Schockstarre einsetzt gibt man den eigenen Freiraum zugunsten der Rechten auf. Angst ist die über Sicherheit umgelenkte Gegenkraft zur Freiheit. Wird die öffentliche Angst nicht bekämpft ist die demokratische Kultur passé.







