Äbbelwoi-Obama blieb chancenlos – Koch gewinnt die Wahl
Man kann es nicht anders sagen: Das Wahlergebnis in Hessen ist eine grandiose Scheiße. Was die Sache erträglicher macht: Die grandiose Scheiße war abzusehen. Doch eins nach dem anderen. Warum ist es eine grandiose Scheiße? Nun, die von Roland Koch angeführte CDU wird mit guten 37 Prozent die stärkste Partei und gewinnt den Pott. Zusammen mit der triumphierenden FDP, die mit guten 16 Prozent ein Rekordergebnis verbuchen kann, wird sie eine solide schwarz-gelbe Mehrheit bilden und ihre brutalststinkende Politik weiterhin betreiben. Die SPD dagegen ist abgehängt und gümbelt mit weniger als 24 Prozent im Wiesbadener Abseits. Dabei kann man der eilig berufenen Galionsfigur, Thorsten Schäfer-Gümbel, keinen Vorwurf machen. Er hat sich in Bestzeit zum sehr vorzeigbaren Spitzenkandidaten gemausert, hat einen hoch innovativen Wahlkampf geführt und hat mit viel Engagement viele neue Freunde gefunden. Er war in sämtlichen großen Social Networks vertreten, hat sich per Youtube-Video zu Wort gemeldet und via Twitter mit dem Wahlvolk kommuniziert – womit er (leider) eine einsame Ausnahmeerscheinung in deutschen Politikerkreisen ist. Seine Wahlkampfkommunikation ist daher nicht weniger als vorbildlich und sehr zur Nachahmung zu empfehlen – vor allem weil es die Distanz zum Wähler schmilzen lässt. Doch Äbbelwoi-Obama hin, Webzwonull-Affinität her: Seine Startbedingungen waren denkbar schlecht. Ypsilanti hätte weder Forsa noch Kristallkugel gebraucht, um zu wissen, dass sie sich bei den Wählern ihr Vertrauen zu einhundert Prozent verspielt hat. Nach der verpatzten Machtübernahme mithilfe der Linken war alles andere als ein Rücktritt ein parteischädigendes Verhalten. Sie hat weder sich noch TSG einen Gefallen getan, weiterhin den Parteivorsitz zu behalten. Da kann Schäfer-Gümbel noch so sehr stellvertretende Reue zeigen und den „Wortbruch“ bedauern; der Klotz Ypsilanti an seinem ohnehin hölzernen Wahlkampfbein wog zu schwer. Natürlich wäre nicht zu erwarten gewesen, dass er die Wahl ohne Ypsilanti als SPD-Chefin gewonnen hätte, aber das Ergebnis wäre sicherlich besser ausgefallen. Wer seine Wähler so dermaßen vereiert wie Ypsilanti und zudem bei der Rolle Rückwärts so peinlich patzt, der muss für einen möglichst sauberen Neuanfang sorgen. Vernichtend wirkte meiner Meinung nach auch die Schlagzeile, dass gegen Dagmer Metzger (die sich von Anfang an gegen eine Zusammenarbeit mit der Linken ausgesprochen hatte und ihr Versprechen im Gegensatz zu ihrer Chefin auch halten wollte) ein Parteiausschlussverfahren angeleiert werden sollte. Zwar ist man inzwischen wieder zurückgerudert; doch überhaupt auf die Idee zu kommen, ein Parteimitglied rauszuekeln, dass konsequent zu den Wahlversprechen der eigenen Partei steht, ist eine unfassbare Frechheit und auch nicht für SPDler nachzuvollziehen.
Nun gut. Ypsilanti hat also bis zum bitteren Ende ausgeharrt und sich an den letzten Strohhalm geklammert, bis sie schließlich in vereinten Kräften von Steinbrück und dem Wahlergebnis aus ihrem Amt gekegelt wurde. Schade für die SPD, Schade für TSG und Schade für uns Hessen, die wir nun eine weitere Amtszeit mit Roland Koch an der Spitze durchstehen müssen.








10. Februar 2009 um 15:24 Uhr
Frank Walter Steinmeier sagt,
Der nächste Skandal kommt bestimmt.