Einkommensungleichheit in den USA

Das sind nicht gerade Breaking News, aber es ist doch immer wieder erstaunlich zu lesen, wie groß die Ungleichheit in Bezug auf Einkommen (oder auch Vermögen) in Industrieländern ist. Heute: Die USA. Dazu die SZ auf Seite 3:

“Der Trend begann in den siebziger Jahren. Von 1970 bis heute haben sich die Gehälter von Amerikas Top-Managern real mehr als vervierfacht; derweil stieg der durchschnittliche Lohn inflationsbereinigt um nur karge 26 Prozent. Wer oben war, bekam immer schneller immer mehr: Das Einkommen des bestverdienenden Tausendstels der US-Gesellschaft stieg von 1970 bis 2008 um 385 Prozent auf 5,6 Millionen Dollar pro Jahr; die zweitbeste Schicht (die Top 0,1 bis 0,5 Prozent) legte um 141 Prozent auf 878.139 Dollar zu. Und die dritte Cremeschicht (die Top 0,5 bis 1,0 Prozent) verbesserte sich um 90 Prozent auf exakt 443.102 Dollar. Jene 137 Millionen Amerikaner, die die unteren 90 Prozent in der Einkommenspyramide ausmachen, haben von 1970 bis 2008 mit einem Realeinkommen von 31.244 Dollar nicht einen Cent dazugewonnen.”

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Bürger und andere Idioten

Die Demokratie muss nicht nur ihre Gegner aushalten, sondern auch ihre Idioten (wobei, zugegebenermaßen, die Schnittmengen zwischen den einen und den anderen oft nicht unerheblich groß sind). Nun könnte man wie Jan Fleischhauer zu recht bedauern, dass die “Gefühlskultur das Regierungshandwerk erreicht” hat und sich die Exekutive in ihren Entscheidungen an der Angstfassade des Pöbels entlangtastet. Man könnte aber auch sagen, dass der Bürgerwille Beachtung findet und der “Volkssouverän” seiner (demokratischen) Aufgabe nachkommt – schließlich steht in keiner demokratischen Verfassung der Welt, dass Mehrheitsentscheidungen keine Gültigkeit haben dürfen, wenn sie nicht wissenschaftlich untermauert und irgendwie irrational sind. Ganz nebenbei: Zum Glück!!! Denn es ist tatsächlich doch so: Die demokratischsten Demokratien der Welt können völlig katastrophale Entscheidungen treffen und die angesehensten Wissenschaftler unfassbaren Dünnschiss verzapfen. Man könnte sich in dieser ganzen Angelegenheit aber auch darüber lustig machen, wie schön bescheuert das Volk ist. Das geht besonders gut, wenn man wie Fleischhauer selbst auf der Sonnenseite der Intelligenznormalverteilung steht. Was man noch tun könnte: Die Ursache der kollektiven Angst nicht nur andeuten, sondern in den Fokus rücken: Die Sensationsmaschine “der Medien”. Nicht jeder hat die Voraussetzungen dafür, jedes Thema analytisch zu sezieren um sich ein rationales Urteil zu bilden, sondern vertraut auf diejenigen, denen er glaubt vertrauen zu können. Aber hey, schreibt ihr mal ne unterhaltsame Kolumne, in der ihr euch über “die Medien” lustig macht!

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Geplante Obsoleszenz. Oder eben: “Kaufen für die Müllhalde”

Gestern habe ich bei Mario Sixtus eine nicht mehr ganz so frische Arte-Doku gefunden, die ein noch viel weniger frisches Thema behandelt: Der geplante Verschleiß bzw. Verfall industrieller Produkte. Für alle, die bei intelligent klingenden Wortschöpfungen (wie Prekariat oder Prokrastination) feuchte Hände bekommen könnte man auch “geplante Obsoleszenz” sagen. Das bedeutet nichts anderes, als dass Produkte so hergestellt werden, dass sie ein eingebautes Death-Date haben, also nach einer bestimmten Zeit kaputt gehen. Ziel ist natürlich, dass der Verbraucher sich im Laden einfach einen neuen Drucker, iPod oder Weißichwas kauft. Das finden viele natürlich unglaublich schlimm – was als Verbraucher leicht nachvollziehbar ist. Neben den Mehrkosten als Verbraucher zieht eine solche Praxis für die höhere Produktion natürlich auch einen größeren Ressourcenverbrauch nach sich. Jetzt könnte man schimpfen, dass der Planet ausgebeutet und zerstört wird. Richtig, das war so und ist so. Aber deshalb gleich den Kapitalismus und das Wachstumsprinzip per se abzuschaffen klingt mir dann doch zu sehr nach ideologischem Eigentor. Da gefällt mir die in der Doku zum Abschluss geäußerte Idee doch schon viel besser, nämlich schlichtweg nachhaltig und somit Ressourcen schonend zu produzieren und letzten Endes weniger bzw. gar keinen Abfall mehr zu produzieren. Kurz gesagt: Recyceln galore! Womit wir u.a. wieder beim Thema erneuerbare Energien wären. Na jedenfalls mag die Doku an manchen Stellen etwas langatmig sein und stellenweise durch die Mystery-Hintergrundmusik einen verschwörungstheoretischen Beigeschmack entwickeln, ist aber trotzdem interessant und ein sehenswerter Beitrag zum Thema Konsumkritik.

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US-Militär-Video zeigt Kampfeinsatz in Irak

Was man sonst noch so “umgangssprachlich als Krieg bezeichnen” kann zeigt ein Video, das gestern von Wikileaks veröffentlicht wurde. Auf www.collateralmurder.org ist ein Video (hier klicken zum Download der gekürzten Version) des US-Militärs zu sehen, dass von einem Apache-Hubschrauber gefilmt wurde und einen Angriff vom Juli 2007 auf mehrere Menschen in Bagdad zeigt. Wie die New York Times schon damals berichtete, starben insgesamt 16 Menschen, darunter zwei Reporter von Reuters. US-Militär-Video

Über die Gründe der Veröffentlichung äußerst sich u.a. Julien Assange von Wikileaks. Weitere Informationen zu den Hintergründen des Videos berichten BBC, The Guardian und die New York Times. Offenbar waren die US-Soldaten auf der Suche nach bewaffneten Aufständischen. Das Video zeigt, dass die Soldaten sehr brutal, schießwütig und menschenverachtend vorgegangen sind. Das US-Militär bestätigte die Echtheit des Videos, betonte jedoch, dass man sich im Rahmen der “Rules of Engagement” korrekt verhalten habe.

Die Aufnahme ist natürlich Öl ins Feuer antiamerikanischen Ressentiment-Geschwurbels. In der Tat sind die Bilder sehr erschreckend, vor allem weil so unbedacht das Feuer eröffnet wird. Man muss sich aber wohl fragen, ob hier nicht weniger die emotionalen Ausbrüche einzelner krimineller Cowboys in Uniformen, oder vielmehr die generellen Abgründe von Krieg und Kriegsführung zu sehen sind. Es ist davon auszugehen, dass solche Szenen keine Seltenheit sind – und zwar auf beiden Seiten (schließlich erkundigt sich ein islamistischer Selbstmordattentäter auch nicht nach der Schuld seiner Opfer). Wer laut nach der Notwendigkeit dieses Krieges schreit sollte bedenken wie auch die heutigen High-Tech-Kriege ablaufen. Im Alltag von Töten und Getötet werden ist wenig Platz für Gerechtigkeit und Menschlichkeit.

[via Netzpolitik; Boing Boing]

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Netzneutralität

Manche sehen im Internet einen anarchischen Raum, in dem man sich nimmt was man braucht und macht was man will. Dass dem nicht so ist und die Kontrolle über Daten ausgebaut wird zeigt sich beispielsweise in der Sperrung von Videoangeboten für Zugriffe aus bestimmten Ländern (”this video ist not available in your country”) oder der Auflage von Handy-Providern, dass die Nutzung von Voice-over-IP-Programmen über die mobile Datenleitung verboten sind. Durch den unüberlegten, symbolpolitischen Vorstoß der Bundesregierung, kinderpornographische Inhalte auf dilettantische Art und Weise sperren zu wollen wird deutlich, dass nicht nur Provider sondern auch die Politik versucht Hürden im Netz aufzubauen, die zu bedenklichen Einschränkungen der Nutzung von Internet-Daten führen kann. Was Netzneutralität will und vor allem dessen Beschneidung bedeutet, das erklärt der Elektrische Reporter wie immer vorbildlich in seiner neuesten Folge:

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Kritk der Toleranzkritik

“Toleranz ist ja doch bloss Appeasement” überschreibt Joachim Günter seinen Beitrag in der NZZ, der sich mit drei Autoren der “Achse des Guten” (achgut.com) beschäftigt. Zwar habe ich die diskutierten Bücher nicht gelesen, doch in anderen Beiträgen von Broder und seinen Mitstreitern widert mich genau diese von Günter beschriebene Haltung an: “Kulturrelativistische Erklärungen, welche sich den Motiven der Täter widmen, sind [ihnen] ein Greuel; stets [wittern sie] eine Verharmlosung der Tat und eine Verhöhnung der Opfer.” “Raum für Abwägungen und Zwischentöne” bleibt da keiner mehr. Wer differenziert ist gleich tolerant, ist gleich ein passiver Unterstützer von Freiheitsfeinden. Basta! Broder hält Analytiker für Witzfiguren und schreibt lieber emotional statt rational. Doch gerade so emotional aufgeladenen Themen wie der Nahostkonflikt oder Muslime in Europa müssen analytisch angegangen werden wenn man an einer Lösung der bestehenden Probleme interessiert ist. Polemisches Gebelle wirkt schlichtweg eskalierend weil es die nötige faktenbasierte Auseinandersetzung durch Provokation ersetzt.

[via Herr_Marx per Email]
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Äbbelwoi-Obama blieb chancenlos – Koch gewinnt die Wahl


Man kann es nicht anders sagen: Das Wahlergebnis in Hessen ist eine grandiose Scheiße. Was die Sache erträglicher macht: Die grandiose Scheiße war abzusehen. Doch eins nach dem anderen. Warum ist es eine grandiose Scheiße? Nun, die von Roland Koch angeführte CDU wird mit guten 37 Prozent die stärkste Partei und gewinnt den Pott. Zusammen mit der triumphierenden FDP, die mit guten 16 Prozent ein Rekordergebnis verbuchen kann, wird sie eine solide schwarz-gelbe Mehrheit bilden und ihre brutalststinkende Politik weiterhin betreiben. Die SPD dagegen ist abgehängt und gümbelt mit weniger als 24 Prozent im Wiesbadener Abseits. Dabei kann man der eilig berufenen Galionsfigur, Thorsten Schäfer-Gümbel, keinen Vorwurf machen. Er hat sich in Bestzeit zum sehr vorzeigbaren Spitzenkandidaten gemausert, hat einen hoch innovativen Wahlkampf geführt und hat mit viel Engagement viele neue Freunde gefunden. Er war in sämtlichen großen Social Networks vertreten, hat sich per Youtube-Video zu Wort gemeldet und via Twitter mit dem Wahlvolk kommuniziert – womit er (leider) eine einsame Ausnahmeerscheinung in deutschen Politikerkreisen ist. Seine Wahlkampfkommunikation ist daher nicht weniger als vorbildlich und sehr zur Nachahmung zu empfehlen – vor allem weil es die Distanz zum Wähler schmilzen lässt. Doch Äbbelwoi-Obama hin, Webzwonull-Affinität her: Den ganzen Beitrag lesen »

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Der konstruierte Rassismus

Bei der Lektüre des Online-Magazins “Politically Incorrect” ist schnell der Punkt erreicht, an dem man sich auf seine Tastatur übergeben muss; denn die selbsternannten Nachrichten-Guerilleros pflegen besonders eifrig eine Islamfeindlichkeit, die man juristisch wohl als Volksverhetzung bezeichnen würde, und auch sonst zeigt man sich bei “PI” notorisch faktenresistent (Stefan Niggemeier berichtete mehrfach).

Seit neuestem üben sich die Mickey-Mouse-Journalisten sogar in Rassenkunde. Am 15. November veröffentlichte PI einen Artikel mit dem Titel: “Barack Hussein jr.: Der konstruierte Schwarze“. Der Beitrag, der anfangs noch mit “Der konstruierte Neger” überschrieben war, bemüht sich zunächst einmal, die Biographie von Obama aufzuarbeiten und betont, dass sein Vater mehrere Frauen hatte (”Der gute Mann ist also ein Bigamist”) und insgesamt (”stattliche”) sieben Kinder zeugte (Diese überflüssige Information erinnert selbstverständlich nur zufällig an den Schnacksel-Kommentar von Frau Fürstin Thurn und Taxis).

Wichtig ist dem Autor auch, dass Obama in Indonesien den Islam-Unterricht besucht hat, wo er “Koran-Suren [lernte], die er heute noch auswendig vorsagen kann. Eine seiner Lehrerinnen äußerte später über ihn: ‘Er wollte immer reden, auch wenn er die Antwort nicht wusste!’” Aha. Der nächste US-Präsident ist also nicht nur in Wahrheit ein Moslem, sondern auch ein bisschen dumm. Oder wie war das jetzt gemeint?

Dann wird es interessant: Obama sei in seiner Kindheit und Jugend von “zwei weißen Frauen geprägt”, also in einem “weißen Umfeld” aufgewachsen. “Wer oder was”, fragt man sich, “brachte den Mann dazu, sich eine schwarze Identität zu konstruieren?”. Dann kommt der Knaller:

“Rein biologisch gesehen ist Barack Hussein junior zur Hälfte weiß und zur Hälfte schwarz. Ja, er ist sogar etwas mehr weiß als schwarz, weil er wie alle Buben von Mutter Stanley Ann das große X-Chromosom, vom schwarzen Vater dagegen nur das kleine und an Genen arme Y-Chromosom bekommen hat. Und alle seine Mitochondrien sind ebenfalls von der Mutter. Sein Energiehaushalt ist damit, wenn man so will, reinrassig ‘weiß’.”

Da haben wir es also, “Barack Hussein junior” ist überhaupt nicht schwarz und hat die Welt schön an der Nase herumgeführt. Fragt sich nur: Warum? Natürlich weiß PI eine Antwort: “Leistungen, für die man als Weißer nur gelobt wird, werden überschwänglich gefeiert, wenn man schwarz ist. Schwarz sein lohnt sich also.”

Fassen wir mal zusammen. “Barack Hussein” hat also einen “reinrassig weißen Energiehaushalt”, bastelt sich aber eine schwarze Biographie, weil seine Leistungen dadurch, als Schwarzer, überbewertet werden. Das ist nicht nur der größte Bullshit den ich je gelesen habe, sondern auch schlichtweg rassistisch!

[Dank an Dennis und Christian]

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Schwule zahlen mehr – In der Reform der Erbschaftssteuer zeigt sich einmal mehr die Verrechtlichung der Homophobie

Amerika hat seinen ersten schwarzen Präsidenten und alle viele freuen sich auch, weil man damit ganz offensichtlich auf dem Weg zur Überwindung des klassischen Rassismus ein ganzes Stück weiter gekommen ist. Nun ist die Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe vor dem Hintergrund der Sklaverei ein Thema, dem man zu Recht besondere Aufmerksamkeit schenkt. Erschreckend ist aber trotzdem, wie unwidersprochen andere Formen von Diskriminierung akzeptiert oder gar gefördert werden. Beispiel: Homosexualität. Wie herablassend man Schwule und Lesben behandelt wurde hierzulande zuletzt wieder deutlich am neuen Erbrecht. Da betont man zwar gerne, dass sich die Situation der “eingetragenen Lebenspartnerschaften” deutlich verbessert hat; tatsächlich aber ist man auch beim Erbrecht noch weit entfernt von einer Gleichbehandlung. Homosexuelle profitieren zwar wie heterosexuelle Paare von einem Freibetrag von 500.000 Euro bei Erbschaften, müssen jedoch viel mehr Steuern bezahlen für überschüssige Beträge.

Schon die Tatsache, dass es “eingetragene Lebenspartnerschaften” für Schwule und Lesben gibt bedeutet, dass man ihre Beziehung zwar zunächst anerkennt, aber gleichzeitig abwertet. Das fängt an bei der speziellen Etikettierung als “eingetragene Lebenspartnerschaft” und zeigt sich wieder einmal ganz deutlich im gesonderten Steuerrecht. Der Staat hat kein Recht, Beziehungen zu klassifizieren und ihre Qualität zu bewerten. Hier sind Kompromisse, wie sie momentan Gesetz sind, kein Ausdruck von rationaler legislativer Arbeit, sondern die Folge von diskriminierenden, quasi rassistischen, Vorurteilen. Die Anerkennung, dass homosexuelle Menschen sich auch lieben und zusammenleben ist kein Schritt in Richtung Gleichbehandlung und Gleichberechtigung wenn gleichzeitig grundlegende Rechte vorenthalten und für heterosexuelle Beziehungen reserviert werden. Das ist kein Stück Aufklärung, sondern die Verrechtlichung einer homophoben Weltanschauung.

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Obamanie

barack_obama.jpg“Die Welt jubelt: Obama wird Präsident” titelt die Süddeutsche Zeitung. In der Tat, selten hat man eine so große weltweite Euphorie erlebt. Obama schreibt nicht nur Geschichte als erster schwarzer Präsident Amerikas, sondern auch als eine Ausnahmepersönlichkeit, die es zustande gebracht hat, dass sie von Menschen auf allen Kontinenten gefeiert wird. Dieser globale Begeisterungssturm zeigt auch den phänomenalen Erfolg des Obama-Wahlkampfs, der alle vorigen politischen Kampagnen in den Schatten stellt. Obama hat mit den Slogans “yes we can”, “change we need” und “hope” eine simple Message geschaffen, die von Amerika aufgesogen wurde wie von einem trockenen Schwamm. Gleichzeitig hat er cool und intelligent agiert, die perfekte Balance zwischen “verständlich” und “gründlich” gefunden. Die Tatsache, dass Obame das Charisma mit Löffeln gefressen hat tat dabei ihr übriges. Auf dem ausgedörrten politischen Boden, der durch 8 Jahre Bush kaum mehr als die Früchte von Verbitterung und Abneigung gegenüber Washington trug, kam Obama und pflügte rhetorisch den Acker zu seinen und Amerikas Gunsten. Jubel allerorten: “Da ist er ja, der amerikanische Traum; da steht er, der politische Messias, sieht gut aus, spricht mir aus der Seele, will alles neu und besser machen und vor allem: er ist echt.” Jetzt ist er am Ziel und die Begeisterung darüber lässt sich jetzt erst recht mit Händen greifen.

Doch langsam. Was Obama tatsächlich bringen wird und bringen kann bleibt abzuwarten. Party Pooper? Typisch deutsch? Unangebrachte Nörgelei? Nein. Bei all der Begeisterung, die auch ich persönlich für Obama empfinde ist mir die Euphorie ihm gegenüber auch etwas unheimlich. Die Menschen torkeln besoffen von Pathos und Sympathie an die Urnen. Doch gute Politik ist mehr als ein “gutes Gefühl”. Stefan Kornelius spricht in der SZ von der Re-Politisierung Amerikas. Ich empfand den Wahlkampf zu großen Teilen als apolitisch. Politische Inhalte spielten nur eine Nebenrolle während es darum ging, den richtigen Eindruck bei den Wählern zu erwecken und sich als geeigneten Charakter darzustellen. Obama wurde vor allem als Popstar beklatscht. Ein guter Politiker, zumal ein guter US-Präsident, muss aber die richtigen Entscheidungen treffen und nicht nur den richtigen Ton. “Hope” ist also auch weiterhin angesagt wenn es darum geht, den Schwung mit ins Weiße Haus zu nehmen und tatsächlich etwas zu ändern. Der “change” wird freilich seine Grenzen haben und Obama tut gut daran, wenn er genau darauf in seiner Dankesrede hinweist. Die Erwartungen sind hoch – auf beiden Seiten des Atlantiks; gleichzeitig könnte das Erbe das Obama antritt kaum schwerer sein. Er steht als US-Präsident vor enormen Herausforderungen bei denen er jeden Funken der enormen globalen Euphorie brauchen kann. Hoffen wir, dass Obama es schafft den Schein in Sein zu übersetzen. Dann hat er seinen zweiten Eintrag im Geschichtsbuch sicher.

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US-Wahlkampf 2008 – Ein Rückblick der New York Times

Die NYT schaut zurück auf 2 Jahre Wahlkampf – einer der längsten, teuersten und mitreißendsten der amerikanischen Geschichte. Zu sehen gibt es ein knapp 14minütiges, aufwendig produziertes Video, das die wichtigsten Aspekte des Vorwahlkampfs, der Programme der Kandidaten und der Wählerstimmung nachzeichnet. Eine sehr schöne Einstimmung auf die heutige Wahlnacht. Dazu passt der leicht Obama-affine Unterton, über den ich mich bei aller Neutralitätsliebe nicht mehr aufregen kann. Zwar meine ich, dass dieser Wahlkampf so unpolitisch war wie die der vorigen Jahre und dass Obama ganz enorm von seinem Charisma profitiert; doch beides ändert nichts daran, dass Obama der kompetentere von beiden ist. Er ist der kompetentere weil intelligentere Kandidat. Weniger Ideologie, mehr Geist – das zeichnet Obama aus, das gefällt und das wird ihm die Präsidentschaft einbringen.

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Chaos im hessischen Landtag – Machtspielchen vs. Wählerauftrag

Dagmar Metzger kann man keinen Vorwurf machen. Dass sie eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ablehnt ist seit langem bekannt. Dass sie deswegen der Parteivorsitzenden Ypsilanti ihre Stimme verweigert ist ärgerlich, aber legitim; vor allem vor dem Hintergrund, dass Ypsilanti für sich und ihre Partei geworben hat mit dem Statement: Keine Kooperation mit der Linkspartei. Damit hat sie nicht nur Wähler getäuscht, sondern auch ihre eigenen Parteikollegen.

Was jedoch gestern passiert ist hat wenig zu tun mit einer legitimen Gewissensentscheidung. Die vier “Abweichler” haben ihre Parteichefin eiskalt politisch erdolcht und buhlen bei ihrem Showauftritt vor der Presse noch um das Mitleid der Wähler. Schließlich habe Ypsilanti ihnen nicht anständig den Bart gekrault als sie den ein oder anderen politischen Pubs quersitzen hatten. Sie sei, so Carmen Everts, nicht einmal gefragt worden “wo hängt es bei dir, wie gehst du damit um”, nachdem sie Probleme mit der politischen Marschrichtung ihrer Parteivorsitzenden hat durchblicken lassen. Ja liebe Frau Everts, wo hängts denn nun? Ganz offensichtlich an einem Mangel an Loyalität und Fairness. Ypsilanti kann man durchaus den ein oder anderen Vorwurf machen; ihr aber in letzter Sekunde auf dem Weg zum Ministerpräsidentenamt das Bein zu stellen ist politisch wie menschlich unterste Schublade.

Kritik verdienen jedoch nicht nur die Abweichler, sondern die gesamte Führungsriege im hessischen Parlament. In Wiesbaden offenbart sich eine Politikunfähigkeit, die fast schon peinlich ist. Man kann sich nicht zur Wahl stellen mit der Bedingung nur Wunschkoalitionen einzugehen. Das Wahlergebnis macht es den Fraktionen sicher nicht einfach zueinander zu finden. Die Wähler können aber verlangen, dass ihre Repräsentanten in der Lage sind eine arbeitsfähige Regierung zu bilden statt sich im politischen Disput selbst zu lähmen. Die reflexartige Verteufelung der Linken ist nur ein Beispiel für die destruktiven Spielchen der Parteiführer.

Und jetzt? Neuwahlen? Auf die wird es wohl hinauslaufen. Dass die CDU als lachender Dritter die Wahl gewinnen wird ist abzusehen. Roland Koch wird weiterhin das Land regieren und den Hessen vor allem seine bildungspolitischen Querschüsse zumuten. Bedanken kann man sich dafür bei vielen, doch an erster Stelle bei unseren drei Heroen Walter, Everts und Tesch. Die zumindest meinen jetzt, sie seien mit sich im Reinen. Na wenigstens etwas.

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Rechter Terror in Westsachsen

Der DLF-Podcast “Rechter Terror in Westsachsen” (mp3) berichtet nichts neues. Wieder mal werden Jugendliche überfallen, wieder mal werden dabei eindeutige Parolen gegrölt, wieder mal kommt die Polizei zu spät. Obwohl die Polizeistatistik zur Erfassung rechter Gewalt die Realität in der Regel nur ansatzweise wiedergibt und obwohl man sich gerne mal zusätzliche Mühe gibt die Zahlen zu schönen: Die Zahl rechtsextrem motivierter Gewaltdelikte ist unverändert hoch (siehe Verfassungsschutzbericht 2007).

Nach wie vor gibt es vor allem in Ostdeutschland viele Gegenden, wo man Angst vor rechten Schlägern haben muss – wenn man beispielsweise nicht so aussieht wie sich Nazis einen anständigen Deutschen vorstellen oder man eine andere Hautfarbe hat. In Mittweida (bei Chemnitz) muss man sogar mit “Skinhead-Kontroll-Streifen” rechnen: Mit dem Auto fahren vermummte Nazis durch die Straßen und jagen “Zecken” oder überfallen Partys. Die Polizei kommt erfahrungsgemäß erst wenn alles vorbei ist (in 11 von 13 untersuchten Fällen trafen die Polizisten nach 45 – 90 Minuten ein (vgl. Podcast)). Viele tatsächliche oder potenzielle Opfer rechter Gewalt haben daher den Glauben an das staatliche Gewaltmonopol verloren und bewaffnen sich lieber selbst. Wohin das führt kann sich jeder selbst ausmalen.

Das gefährliche an rechter Gewalt sind nicht nur die Verletzungen der Opfer, sondern die Angst, die Nazis auch bei anderen Menschen schüren. Die Einschüchterung bestimmter Personengruppen kann ein freies und selbstbestimmtes Leben gebietsweise stark einschränken: Man traut sich nicht mehr abends auf die Straße, nimmt Umwege in Kauf, kuscht bei blöden Sprüchen, erregt lieber kein Aufsehen und verzichtet womöglich auf einen Anruf bei der Polizei (schließlich kommt sie ohnehin zu spät) etc. Organisierte Gewalt gegen Menschen mit bestimmten Merkmalen hat eine ganz andere Qualität als nicht rassistisch motivierte Gewalttaten. Was in Mittweida und anderswo passiert ist Terror. Wer gegen den Terror von Rechtsaußen nur handelt, indem hier und da ein prügelnder Nazi vorbestraft wird, der tut definitiv zu wenig. Pädagogische Prävention und Aussteigerprogramme sind gut, verhindern aber keine “Skinhead-Kontroll-Streifen”. Was fehlt ist Sicherheit, die für mögliche Opfer teilweise nicht mehr existiert. Wenn der Staat sein Gewaltmonopol behaupten will, dann muss er auf Ausnahmezustände wie in Mittweida reagieren, nicht zugucken.

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Worldmapper – Karten zur Lage und Entwicklung der Welt

Bei Worldmapper.org findet man jede Menge frei erhältliche Weltkarten, die sich mit unterschiedlichen Merkmalen der Weltgesellschaft befassen. Länder werden dabei nicht in ihrer geographischen Größe dargestellt, sondern gemäß der relativen Ausprägung eines Attributs. So z.B. sieht eine Karte aus, die die geographische Verteilung von Muslimen darstellt:

muslims.png

Worldmapper is a collection of world maps, where territories are re-sized on each map according to the subject of interest. There are now nearly 600 maps. Maps 1-366 are also available as PDF posters.

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Nationalsozialismus Zwopunktnull

“Wer wissen will, was die NPD plant, muss nur ihr Programm lesen” schrieb Steffen Kailitz gestern in der Süddeutschen Zeitung (”Wohlfühldiktatur ohne Mischlinge“). Er hat recht. Die NPD macht kein Geheimnis aus ihren menschenverachtenden politischen Absichten. Wer sich den Honig von “mehr sozial” und “mehr national” der rechtsextremistischen Rattenfänger um den Bart schmieren lässt, der muss vor allem bedenken wer von den “Wohltaten” der Rechten ausgeschlossen sein soll. Die NPD brabbelt – wie der große historische Bruder NSDAP – von der Etablierung der reinen, deutschen “Volksgemeinschaft”. Sie pflegt eine rassistische Ideologie, die praktisch die Vertreibung von Millionen von  “kultur- und rassefremden Menschen” aus Deutschland zur Folge hätte. Die Konsequenz bedeutet nicht mehr und nicht weniger als eine ethnische Säuberung gigantischen Ausmaßes. Der Vergleich mit der NSDAP ist durchaus nicht übertrieben, so Totalitarismusforscher Kailitz:

“Vielfach geht die NPD in ihren Forderungen sogar weiter als die NSDAP in ihrem Programm von 1920. So wollte die NSDAP Nicht-Deutsche nur als Gäste im Land leben lassen. Die NPD will es grundsätzlich untersagen; wer kein völkischer Deutscher ist, soll höchstens drei Monate im Land bleiben dürfen.”

Die NPD spricht sich offen gegen die Demokratie und ihre Grundwerte aus. In vielen deutschen Kreis- und sogar Landtagen dürfen die Ultrarechten ihren Hass säen, während sie gleichzeitig mit fürstlichen Summen an Steuergeldern vom Staat finanziert werden. Auch wenn die NPD bundesweit als Randphänomen herumdümpelt darf man nie vergessen, dass es sich um eine der gefährlichsten politischen Gruppen in Deutschland handelt. Man muss kein Historiker sein um zu wissen, was die offen artikulierte Propaganda der NPD zur Folge haben kann. Vergleiche mit den Nationalsozialisten der 20er und 30er Jahre sind daher nicht nur gestattet, sondern geboten.

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