“Leading To War” - Ein Film über die propagandistische Vorbereitung des Zweiten Irak-Kriegs
“Leading to war” ist zunächst einmal die beste Dokumentation, die mir seit langem untergekommen ist. Der Film hat den Anspruch zu zeigen, wie die US-Regierung es geschafft bzw. versucht hat, ihre Bürger und die Welt davon zu überzeugen, dass der Zweite Irak-Krieg eine unbedingte Notwendigkeit ist. Dabei ist es in Zeiten überemotionalisierter Inszenierungen politischer Inhalte umso erfreulicher zu sehen, wie die vier amerikanischen Filmemacher gearbeitet haben: Kein Moderator, keine Off-Stimme, keine schnellen Schnitte, keine nachgestellten Szenen und (fast) keine dramatische Musik. Regisseur Hershey & Co. haben auf eine aufwendige Hintergrundberichterstattung (die oft mehr suggestiv als informativ ist) völlig verzichtet. Stattdessen setzt man auf primäre TV-Quellen.
Nach einer kurzen schriftlichen (!) Einführung beschränken sich die Macher auf die schlichte Aneinanderreihung von Fernsehauftritten der US-politischen Führungsriege (hauptsächlich Bush, Rumsfeld, Powell und Rice). Los geht es mit einem Ausschnitt aus der Rede des US-Präsidenten zur Lage der Nation vom Januar 2002 (Axis of evil-Rede). Chronologisch hangelt sich der Film an Pressekonferenzen, Interviews und Redebeiträgen der höchsten Regierungsbeamten entlang, bis schließlich der Präsident die Mobilmachung verkündet (März 2003).
Es ist erstaunlich und erschreckend im zeitgerafften Rückblick zu sehen wie systematisch Stimmung gegen den Irak gemacht wurde. Nachdem der Terrorismus erst rhetorisch verstaatlicht wurde knüpfte man die Verbindung zu Massenvernichtungswaffen und schürte die kollektive Angst vor totaler Vernichtung. Unter der mantrahaften Wiederholung und scheinbar faktischen Untermauerung der “greifbaren Gefahr” wurde schließlich Saddam Hussein als Teufel an die Wand gemalt, wie er kurz davor ist auf den roten Knopf zu drücken.
“Leading to war” dokumentiert vorbildlich die Mechanismen der medial gesteuerten politischen Stimmungsmache, die dazu führte, dass sich ein demokratisches Land mehrheitlich für eine völkerrechtswidrige militärische Intervention entschied, deren offizieller Hauptgrund eine einzige Lüge war. Anders gesagt: Der Film zeigt, wie Propaganda heute und unter demokratischen Vorzeichen funktioniert. Er zeigt nicht den Missbrauch, sondern die Schwächen der Demokratie. “Leading to war” ist ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste filmische Beitrag zur Aufarbeitung des Irak-Kriegs.
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“Leading to war”, 72 Minuten, Untertitel in 19 Sprachen, verfügbar als Stream (Flash) und Download (Quicktime, 440 MB)
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