Obamanie
“Die Welt jubelt: Obama wird Präsident” titelt die Süddeutsche Zeitung. In der Tat, selten hat man eine so große weltweite Euphorie erlebt. Obama schreibt nicht nur Geschichte als erster schwarzer Präsident Amerikas, sondern auch als eine Ausnahmepersönlichkeit, die es zustande gebracht hat, dass sie von Menschen auf allen Kontinenten gefeiert wird. Dieser globale Begeisterungssturm zeigt auch den phänomenalen Erfolg des Obama-Wahlkampfs, der alle vorigen politischen Kampagnen in den Schatten stellt. Obama hat mit den Slogans “yes we can”, “change we need” und “hope” eine simple Message geschaffen, die von Amerika aufgesogen wurde wie von einem trockenen Schwamm. Gleichzeitig hat er cool und intelligent agiert, die perfekte Balance zwischen “verständlich” und “gründlich” gefunden. Die Tatsache, dass Obame das Charisma mit Löffeln gefressen hat tat dabei ihr übriges. Auf dem ausgedörrten politischen Boden, der durch 8 Jahre Bush kaum mehr als die Früchte von Verbitterung und Abneigung gegenüber Washington trug, kam Obama und pflügte rhetorisch den Acker zu seinen und Amerikas Gunsten. Jubel allerorten: “Da ist er ja, der amerikanische Traum; da steht er, der politische Messias, sieht gut aus, spricht mir aus der Seele, will alles neu und besser machen und vor allem: er ist echt.” Jetzt ist er am Ziel und die Begeisterung darüber lässt sich jetzt erst recht mit Händen greifen.
Doch langsam. Was Obama tatsächlich bringen wird und bringen kann bleibt abzuwarten. Party Pooper? Typisch deutsch? Unangebrachte Nörgelei? Nein. Bei all der Begeisterung, die auch ich persönlich für Obama empfinde ist mir die Euphorie ihm gegenüber auch etwas unheimlich. Die Menschen torkeln besoffen von Pathos und Sympathie an die Urnen. Doch gute Politik ist mehr als ein “gutes Gefühl”. Stefan Kornelius spricht in der SZ von der Re-Politisierung Amerikas. Ich empfand den Wahlkampf zu großen Teilen als apolitisch. Politische Inhalte spielten nur eine Nebenrolle während es darum ging, den richtigen Eindruck bei den Wählern zu erwecken und sich als geeigneten Charakter darzustellen. Obama wurde vor allem als Popstar beklatscht. Ein guter Politiker, zumal ein guter US-Präsident, muss aber die richtigen Entscheidungen treffen und nicht nur den richtigen Ton. “Hope” ist also auch weiterhin angesagt wenn es darum geht, den Schwung mit ins Weiße Haus zu nehmen und tatsächlich etwas zu ändern. Der “change” wird freilich seine Grenzen haben und Obama tut gut daran, wenn er genau darauf in seiner Dankesrede hinweist. Die Erwartungen sind hoch – auf beiden Seiten des Atlantiks; gleichzeitig könnte das Erbe das Obama antritt kaum schwerer sein. Er steht als US-Präsident vor enormen Herausforderungen bei denen er jeden Funken der enormen globalen Euphorie brauchen kann. Hoffen wir, dass Obama es schafft den Schein in Sein zu übersetzen. Dann hat er seinen zweiten Eintrag im Geschichtsbuch sicher.


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